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3 Kinder = Armut?

Pétur Björgvin @ 11.45 12/7/13

“Lebenslagenbericht Kinderreiche Familien im Landkreis Reutlingen” – so heißt ein Dokument das im Dezember 2013 herauskam. Es ist ein durchaus interessantes Dokument das hoffentlich beide die Politik zu Handlung und die Wissenschaft zu weiteren Forschungsprojekten bewegt. Ich erlaube mir an dieser Stelle das Fazit des Dokuments festzuhalten:

Der vorliegende Lebenslagenbericht wurde im Hinblick auf eine soziale Gruppe konzipiert, deren Lebensrealität man in sehr unterschiedlicher Weise mit dem Begriff “bedürftig” assoziiert.

Die Annahme, dass eine “kinderreiche Familie” in der heutigen Leistungsgesellschaft in irgendeiner Weise einen Problemfall darstellt, hat sich auf der einen Seite leider bestätigt. Dies zeigt sich beispielsweise in der öffentlichen Wahrnehmung von kinderreichen Familien und auch an der Schwierigkeit, geeignetes und vergleichbares Datenmaterial zu finden. Bei näherem Hinschauen zeigt sich auch, dass die relative “Armutsgrenze” für “kinderreiche Familien” eine ständige Bedrohung darstellt. Setzt man diese Grenze bei 60% des Durchschnittseinkommens an, muss man 59% der Familien mit mehr als drei Kindern als arm bezeichnen – Familien, die durch die Zahl ihrer Kinder arm wurden.

Expertengespräche zeigen darüber hinaus, was Familien ungeachtet ihrer sozialen Prägung leisten müssen, um Schritt zu halten – oder nicht leisten können und deshalb den Anschluss an die gesellschaftliche Entwicklung zu verlieren drohen oder bereits verloren haben.

Auf der anderen Seite werden auch die innerfamiliären Ressourcen udn Kompetenzen sichtbar, die beispielhaft für verschiedene Familienmodelle sein können und von denen wir vieles für die Alltagsbewältigung und -gestaltung lernen können.

Ein Fazit zu ziehen, fällt leicht und schwer zugleicht. Leichter ist die Forderung nach Kompensations, die an politisiche Gremien zu richten ist, … Die Adressaten sind Bund und Land, Landkreis und Kommune.

Schwerer als die politische ist es, die gesellschaftliche Akzeptanz aufzubauen, womit das Phänomen der Wahrnehmung dieser Familienform angesprochen ist und die Schwierigkeit, sich darüber zu verständigen: Die Wahrnehmung kinderreicher Familien schwankt zwischen Bewunderung und Diskriminierung.

Was das für den Alltag an Verzicht bedeutet – und der Verzicht ist evident – zeigt der Lebenslagenbericht. Für die Zukunft der Kinder ist die wirtschaftliche Lage der Familie allein selbstverständlich nicht ausschlaggebend. Sind die Eltern gut ausgebildet, werden sie in der Regel durch diese gefördert. Sind es die Eltern nicht, reproduzieren sie Verhältnisse, die staatliche und kommunale Etats belasten. Spätestens diese Systematik begründet eine ausreichende öffentliche Fürsorge.

Die vorhandene Geringschätzung “kinderreicher Familien” wirkt schon allein angesichts demografischer Perspektiven auf die gesellschaftliche Entwicklung kontraproduktiv. Bezwichnenderweise wurde diese Schieflage zuerst und frühzeitig von der Wirtschaft, mit Verspätung von der Politik erkannt. Als Konsequenz daraus muss sich die Familienpolitik auf diese Entwicklung zwingend einstellen. Strukturelle Voraussetzungen für Anerkennung und Wertschätzung können und müssen auf der politischen Ebene geschaffen werden.

Bespeil Rentenrecht:
Warum findet Familienarbeit bisher für den Erwerb eines gesetzlichen Rentenanspruchs kaum Berücksichtigung?

Beispiel Steuerrecht:
Von den Kinderfreibeträgen bei der Einkommensteuer profitieren nicht die Geringverdiener, sondern Familien mit hohen Einkommen.

Auch mit dem 2. Reutlingen Lebenslagenbericht ist ein Instrument erarbeitet worden, das in den politischen Gremien und Instanzen wirkungsvoll zur Verbesserung der untersuchten Lebenslagen eingesetzt werden kann. Im Feld der sozialen Arbeit und Sozialplanung sollte der Bericht als Analyse und Planungsinstrument zur Entfaltung kommen.

Der Bericht ist an vielen Stellen im Internet zu finden, unter anderem auf:

kinderreich

url: http://pb.annall.is/2013-07-12/3-kinder-armut/


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