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Punkt 11 Gottesdienst – 13okt13

Pétur Björgvin @ 08.18 14/10/13

Schuld, Schuldlos, Schuldig, … er ist schuld … bin ich schuld … wer ist schuld … ist jemand schuld … brauchen wir einen Schuldigen … manche sind die reine Unschuld …

Am Sonntag, 13. Oktober 2013 habe ich im ev. Gemeindehaus Ohmenhaus mit den folgenden Punkten zur Hand gepredigt. Hier gibt es die Punkte für Interessierte zum Nachlesen.

GEBET

Guter Gott. Durch deinen Sohn Jesus Christus hast du uns gezeigt, wie sehr wir dir am Herzen liegen. Hilf uns, das zu spüren und zu erkennen. Danke, dass wir dessen Gewiss sein dürfen, dass Du heute und hier, wo wir in deinem Namen versammelt sind, mitten unter uns bist. Lass dein Wort walten, lass deine Botschaft im Vordergrund stehen. Amen.

UNSER TÄGLICHES BROT

Im letzten Punkt 11 Gottesdienst wurden wir gefragt ob ein Christ sich eher wie ein Eichhörnchen verhalten ´-  und die Dinge für den Alltag horten sollte, oder ob ein Christ sich besser an den Tauben orientieren sollte, frei nach dem Motto “ich suche heute, was ich heute brauche, morgen ist auch noch ein Tag und das wird sich dann geben..“ Das Thema war das tägliche Brot.

(Päckchen nach Vorne holen, stapeln, Vorräte vom Eichhörnchen)

Tja, so könnte es im Vorratsraum vom Eichhörnchen aussehen. Bei der Taube gibt es wahrscheinlich nicht mal einen Vorratsraum.

Heute geht es auch um Päckchen. Aber diesmal um solche die wir wahrscheinlich alle zu tragen haben. Es geht um unsere Schuld oder wenn wir es wollen, unsere Schuldlosigkeit.

Schuld. Kurzes Wort, komplexes Thema

Ich bin mir sicher, jede und jeder von uns könnte stundenlang Geschichten zu diesem Thema erzählen. So geht es mir mindestens und deswegen hätte ich gerne einen dreistündigen Vortrag vorbereitet. Heute will ich es aber bei einer kurzen Predigt belassen. Ich hoffe sie motiviert uns, über das Thema stundenlang nachzudenken. Insbesonders weil ich nicht alle Aspekte erläutern kann, übrig bleiben solche, die mir heute wichtig erscheinen.

Schuld, Schuldlos, Schuldig, … er ist schuld … bin ich schuld … wer ist schuld … ist jemand schuld … brauchen wir einen Schuldigen … manche sind die reine Unschuld …

Diese Themen und andere dürften uns jetzt leibhaft vor den Augen stehen. Vielen Dank von meiner Seite an das Kreativ Team, das uns Fahrschulen, Fahrlehrer- und Fahrschüler, Fahrschulstunden und das alltägliche Verkehrschaos lebendig dargestellt haben.  Selbstverständlich sollte erwähnt werden, wie in jedem Krimi die von ZDF; ARD und co ausgestrahlt werden, dass die Geschichte frei erfunden ist und dass alle vorkommenden Personen, Handlungen und Organisationen auch frei erfunden sind. Ähnlichkeiten sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

Ich gebe zu, ich weiss nie genau wie ich diese Ausschlußklauseln verstehen soll. Will der Autor gar nicht dass wir einen Realitätsbezug von seiner Geschichte sehen? Oder geht es um Schuld? Einfach damit es gleich klar ist: Sollte der Zuschauer einen Realitätsbezug erkennen, dann ist er selber Schuld, der Autor ist auf jeden Fall 100% frei von Schuld. Weil er schon gesagt hat, es sei nicht seine Schuld! Tja, wenn es so einfach wäre – oder besser gesagt, zum Glück ist es im Alltag nicht so einfach.

Wie heißt es nochmals im Vater Unser?

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern

Diese Bitte bewegt sich weg von den materiellen Bedürfnissen – dem täglichen Brot – hin zu den seelischen – wie wir mit uns selbst und unserer Umgebung fertig werden.

Dass Gott vergibt, ist eine Erfahrung, die im Judentum von Anfang an vorhanden war. Wie wir wissen knüpft das Vaterunser tatsächlich an die Gebetstraditionen des Tanach an. So bezieht sich etwa Psalm 103 auf Gottes heiligen Namen, auf seinen Willen sowie auf seine Vergebungsbereitschaft, und der Psalmist vergleicht das Erbarmen Gottes mit dem eines Vaters gegenüber seinen Kindern. Jesus griff also im AT vorhandene Stichworte auf, ohne konkrete Formulierungen von dort zu entlehnen. Es gibt aber auch wesentliche Unterschiede. Jüdische Gebete wurden in der heiligen Sprache Hebräisch gesprochen, während Jesus das Vaterunser höchstwahrscheinlich in der Volkssprache Aramäisch lehrte. Neu war – und damit wollen wir uns heute beschäftigen – Jesu Aufforderung an den Betenden, seinerseits anderen Menschen zu vergeben, und die Verknüpfung dieser Bedingung mit der Bitte an Gott um Vergebung der eigenen Schuld.

Der Poststempel

Wie so manche Päckchen haben die Päckchen die wir mit uns tragen sogar einen Poststempel. Sie sind auf einen bestimmten Tag zurückzuführen. Beim Postversand spielt auch manchmal die Reihenfolge der Sendungen eine Rolle. Mit der Reihenfolge beschäftigt man sich auch in der Bibelforschung. Es scheint so zu sein dass die jetztige Übersetzung der Bitte um Vergebung sich nicht an den ältesten Handschriften, sondern dem Mehrheitstext bzw. der Textfassung bei Lukas orientiert Dort heißt es: „… wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ (ἀφιομεν, auf Griechisch aphiomen, also Präsens). Ursprünglich stand bei Matthäus aber sehr wahrscheinlich die Verbform ἀφήκαμεν (aphēkamen): „… wie wir vergeben haben.“ Das bedeutet für den Betenden, dass er nicht um Vergebung bitten solle, wenn er selber diesen Schritt noch nicht getan hat, denn – so fährt das Mt-Evangelium fort – „wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, wird auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen nicht vergeben.“ (Verse 14–15)

Sie hören, es bleibt spannend sich mit der Bibel zu beschäftigen. Ich denke die Verknüpfung zwischen dem dass wir anderen vergeben und dem dass Gott uns vergibt, ist klar, wer aber zuerst vergibt dürfte vielleicht keine so große Rolle spielen. Man stelle sich vor, es könnte auch gleichzeitig geschehen. Und wer kennt nicht die biblische Geschichte vom schuldigen Diener. Der König hat ihm eine große Schuld erlassen, wurde aber zornig als dieser danach nicht gleich gehandelt hat. (Mt. 18,21ff)

Oder vielleicht spielt die Reihenfolge doch eine Rolle. Kommen wir zurück zu dem tollen Anspiel. Ich möchte Sie alle fragen – wir nehmen uns einige Sekunden Zeit um in der Stille darüber nachzudenken – was wäre anders gelaufen in der Szene vorhin wenn Vergebung immer an erster Stelle gewesen wäre.

Danke für´s Nachdenken. Ihr seid mir keine Antwort schuldig, jede und jeder kann die Antwort für sich behalten.

Absender und Empfänger

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern

Das ist die Bitte die uns mit Gott verbindet, mit den ersten Bitten des Vaterunsers und mit den Menschen, den nächsten Bitten des Vaterunser. Das heißt Vergebung ist eine Form des Wieder Eins werden, wo wir auseinander gegangen sind, wo wir uns gegenseitig wehgetan haben, Wo wir Gott bitten dass er uns vergibt womit wir ihm wehgetan haben, was wir falsch gemacht haben, und gleichzeitig mit den anderen Menschen, zu bitten: Vergib uns, unsere Schuld.

Wir machen alle unsere Fehler. Diese belasten uns. Und wir haben wieder ein Päckchen mehr zu tragen.

(Päckchen nochmals hervorholen, jedem einen Absender geben, ggf. Wenn möglich mit dem Anspiel verbinden)

Schauen wir uns diese Päckchen an. Das ist ein Haufen. So ein Haufen kann krank machen. Ob Eichhörnchen oder wer auch immer, diese Päckchen gesammelt hat, die belasten uns wie alte Schulden.

Hier stellt sich die Frage was wir tun können um in diesem Kammerlein aufzuräumen. Es ist nicht immer einfach sich an die Absender und Empfänger zu erinnern, diese müssen eventuell sogar noch entdeckt werden. Wer hinschaut stellt dann fest, das er selber manchmal der Absender ist. Wie wir im Anspiel gesehen haben, neigen manche von uns dazu, uns die Schuld von anderen in die eigenen Schuhe zu schieben. Und ein anderes Mal fällt es uns schwer die eigene Schuld zuzugeben. Als ich das Anspiel ansah hatte ich auch das Gefühl es gäbe unglaublich viele Möglichkeiten jemandem Anderen die Schuld zuzuschieben, als wäre man selbst die reine Unschuld. Aber nun haben wir hier die Päckchen in unserem Keller. Wohin damit?

Die Gnade, mit Schuld umzugehen.

Es braucht manchmal sehr viel um die eigene Schuld einzugestehen. Dazu brauchen wir viel Kraft von Gott. Genauso fällt es uns manchmal sehr schwer anderen zu vergeben. Hier scheint es vielen hilfreich zu sein, wenn sie selber erfahren haben, dass ihnen vergeben wurde. Sie haben die Freiheit die in der Vergebung steckt erleben dürfen.

Um uns zu erinnern wie solche Freiheit aussehen kann, will ich diese Kisten schon mal wegtragen. Freiheit, Vergebung erfahren, danach sehnen wir uns, darum bitten wir:

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern

Ich kann mir vorstellen, dass viele von uns hier die Erfahrung gemacht haben, dass dies ein Prozess ist, Anders als wenn wir ein Paket verschicken oder wenn ich wie vorhin die Päckchen einfach verstecke, verschwindet unsere Schuld oder unser Kampf mit den Schuldigern nicht so einfach. Es will geübt sein, es will gelernt sein. Beides, anderen Vergeben und um Vergebung bitten, will gelernt sein.

Man stelle sich vor. Eines Tage habe ich dann seit Jahren an mir gearbeitet und ich stelle fest: Die Päckchen die ich mit mir umtrage sind kleiner geworden. Ich bin etwas geübter geworden. Ich bitte um Vergebung und ich vergebe anderen.

Dann klingelt es an der Tür

(ich hole die Päckchen nochmals vor)

Eine Sendung aus der Vergangenheit: Die Schuld der Väter und Mütter. Ja, wie, was habe ich nun damit zu tun. Eigentlich nichts, und trotzdem beschäftigt uns das Thema immer mal wieder. Daher an dieser Stelle ein paar Worte dazu.

Schuld wird nicht vererbt

Elie Wiesel, ein Überlebender des Holocausts und Friedensnobelpreisträger, gab neulich anläßlich seines 85 jähriges Geburtstages ein Zeitungsinterview. Da fragte die Reporterin unter anderem wie junge Deutsche, mit der Schuldfrage umgehen sollten. Seine Antwort hat mich in den letzten Tagen begleitet. Herr Wiesel antwortete:

Sie sollten sich zuerst einmal klar machen, dass Schuld nicht einfach von Generation zu Generation, von Mensch zu Mensch vererbt wird. … nur die Person, die etwas verbrochen hat, ist schuldig. Ich verstehe, aber akzeptiere nicht, dass sich deutsche Jugendliche schuldig fühlen. Doch das spricht für sie, dafür, dass sie sensibel mit dem Thema umgehen und das Gefühl haben, etwas wieder gut zu machen, was ihre Vorfahren verbrochen haben. …: Natürlich tragen wir die Geschichte unseres Landes mit, aber das macht uns noch lange nicht schuldig.

So weit dieses Zitat. Sensibilität ist gefragt. Mit Altlasten der Vorfahren haben wir nichts zu tun. Die Verantwortung bleibt aber bei uns, die Zukunft sinnvoll zu gestalten.

Ein Geschenk

Bewußt habe ich die mitgebrachten Päckchen nicht aufgemacht heute. Weil es so unterschiedlich ist was wir alles mitschleppen.

Mir sei aber erlaubt an dieser Stelle das kleinste Paket aufzumachen.

(Das kleinste Geschänk auspacken)

Mir kommt es so vor als könnte es unser Aufgabe sein, zu lernen diese Päckchen die wir mit uns tragen als Geschenk anzusehen, oder sollen wir Chance sagen..

Die Kraft zu haben, um Vergebung zu bitten oder um jemanden zu vergeben ist ein Geschenk Gottes. Wir können Gott bitten uns die Gabe, dieses Geschenk zu geben.

Bleibt es ein Päckchen, ist es ein Geschenk, eine Chance? Ich hoffe Sie werden sich mit der Frage weiterhin beschäftigen.

Danke für das zuhören. Ich spreche noch ein Gebet.

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Die Predigt von meinem Kollegen, Jürgen Braun, vom Eichhörnchen und der Taube ist auch online: http://juergenbraun.wordpress.com/2013/09/09/der-christ-ein-eichhornchen/

url: http://pb.annall.is/2013-10-14/punkt-11-gottesdienst-13okt13/


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