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Blick über den Kirchturm

Pétur Björgvin @ 05.51 18/3/14

Gestern wurde das Gemeindeblatt der evangelischen Kirche in Ohmenhausen verteilt. Dort (unter der Rubrik “Blick über den Kirchturm”) auf Seite 6 findet man den folgenden Artikel: Ein Blick nach Island – Einblicke in das kirchliche Leben.

OhmenIslandEin Kind wird getauft. Familie und Freunde sind teilweise weit angereist. Eine Taufe in der Familie lässt man sich nicht entgehen. Nicht nur die Kinder warten gespannt auf das Ereignis, wird man doch erst bei der Taufe den Namen des Kindes erfahren. Die Gäste sitzen gemütlich im Wohnzimmer der Familie und warten. Etwas verspätet – wegen des Schneetreibens – kommt der Pastor an. Es ist seine fünfte Taufe an diesem Samstag. 30 Minuten später ist er wieder weg, eine Hochzeit steht an. Und die Familie feiert weiter, nun kennt jeder die zwei Vornamen des Kindes. Familiennamen im eigentlichen Sinn gibt es keinen, sondern das Kind bekommt entweder den einen Vornamen des Vater oder der Mutter als Familiennamenersatz mit dem Zusatz – dóttir (Tochter) oder -son (Sohn). Beispiel: Pétur Björgvin Thorsteinsson (Sohn vom Thorstein).

Seit 1771 können Familien in Island selber entscheiden, ob das Kind daheim oder in der Kirche getauft wird: Um die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden, sollten die Kleinen nicht bei jedem Wetter zu der unbeheizten Holzkirche gebracht werden. Auch wenn es solche Gesetze schon längst nicht mehr gibt, der Brauch ist geblieben.

Dieses Beispiel gibt einen Einblick in das Gemeindeleben in Island. Hat man schon sehr früh die Hausväter dazu motiviert aus der Bibel, bzw. aus dafür eigens produzierten Hausandachtsbüchern, ihren Familien vorzulesen, so ist auch das zur Gewohnheit geworden: Kirche braucht man nur an besonderen Festtagen, in jedem Fall aber für die Beerdigung. Dann sind die Kirchen meist voll besetzt, mitten in der Woche. Egal wie weitläufig einer mit dem Verstorbenen verwandt oder befreundet war. Die Beerdigung hat die Form des Gottesdienstes, dauert etwa eine Stunde und findet fast ausnahmslos in der Kirche statt. Danach  geht es zum Friedhof und anschließend zum Küchenbuffet ins Gemeindehaus.

Diese zwei Stationen am Anfang und Ende des Lebens geben einen Einblick in die kirchliche Praxis von Christen in Island. Während noch über 80% der Bevölkerung Christen sind, gibt es auch dort Menschen, die ihre Kirche mögen und andere, die Kirche gerne abschaffen wollen. – Doch trotz allem – die Stationen am Anfang und Ende des Lebens bleiben.

Pétur Thorsteinsson, ist Bezirksjugendreferent beim ejr und wohnt in Ohmenhausen.

url: http://pb.annall.is/2014-03-18/blick-uber-den-kirchturm/


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